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Sächsischer Prinzenraub anno 1455

Treu hat der freie Ritter Kunz von Kauffungen auf Seiten des sächsischen Kurfürsten Friedrich II. gegen seinen Bruder Wilhelm im sog. Bruderkrieg gekämpft. Einen Ausgleich für seine Dienste erhält er vom Kurfürsten trotz mehrerer Vergleichsvorschläge vor allem wegen verschiedener Überfälle auf reisende Kaufleute auf dem Gebiet des Kurfürsten nicht. Die Bitten des Enttäuschten wandeln sich zuletzt in Drohungen um, so dass er völlig in Ungnade fällt.

Am 7. Juli 1455 kurz vor Mitternacht treffen sich 35 Berittene und 10 Fußknechte, darunter ihr Anführer, der Ritter Kunz von Kauffungen, vor dem Residenzschloss des sächsischen Kurfürsten in Altenburg. Zusammen mit neun Begleitern steigt Kunz von Kauffungen um die Mitternachtsstunde ins Schloss ein, um die beiden 12- bzw. 14-jährigen Söhne des Kurfürsten, Albrecht und Ernst, aus den Betten zu holen.

Was ist sein Plan? Mit einer Kindesentführung in Tateinheit mit Geiselnahme nach Böhmen auf sein Schloss Eisenstein (heute Jezeri) bei Brüx will er eine Entschädigung für seine während des Krieges in Mitleidenschaft gezogenen Güter und Lösegeld für seinen Freikauf aus der Gefangenschaft vom Kurfürsten erzwingen. Dabei verstößt Kunz gegen Brauch und Landfrieden, da er den Fehdebrief an den Kurfürsten viel zu spät absendet.

Die Jungen holt man über Leitern aus dem Schloss, setzt sie auf Pferde und fort geht die Jagd ins Erzgebirge nach Böhmen zu. Bald nach ihrer tollkühnen Tat haben sich die Prinzenräuber getrennt. Sollte eine Gruppe doch eingeholt werden, so besäße die andere immer noch ein Faustpfand für deren Freiheit. Ritter Kunz von Kauffungen hat den Prinzen Albrecht auf sein Handpferd gefesselt. Sie ritten durch den Leinawald und noch in den Nachtstunden überqueren sie die Muldenbrücke bei Wolkenburg, reiten durch den Besitz von Kunzens Vettern und wechseln hier auch die Pferde. Auf vertrauten Steigen und Pfaden flüchtete Kunz durch den Rabensteiner und Thalheimer Wald, wählt dann den Weg zwischen Zwönitz und Geyer in Richtung auf den Schatzenstein und weiter gen Elterlein, um das Pöhlwasser, die Grenze zur böhmischen Herrschaft Schwarzenberg, zu erreichen. Kunz lässt nahe dem Schmiedewald (heute Stadtteil Waschleithe) anhalten.

Köhler Georg Schmidt befreit Prinz Albrecht

Ein Köhler, der dort seinen Meiler hat, beobachtet am 8. Juli 1455 schwer bewaffnete Reiter, die ein Kind mit sich führen. Da die Sturmglocken des Grünhainer Klosters seit Stunden läuten, wohl gar wegen der schwerbewaffneten Ritter, eilt er zu den Meilern anderer Köhler, damit sie notfalls mit ihren Schürbäumen die Flucht der Fremden verhindern, dann weiter zum Kloster Grünhain, um dem Abt seine Beobachtungen zu berichten.

Köhler und Klosterknechte kreisen die Gruppe ein. Ihr Anführer und seine zwei Gefährten müssen sich der Übermacht ergeben. Auch die meisten Knechte werden gefasst. Zusammen mit dem Prinzen Albrecht wird Kunz mit seinen Gefährten zum Grünhainer Abt Martin Liborius gebracht und im Fuchsturm des Grünhainer Zisterzienserklosters gefangen gehalten. Noch vor Sonnenuntergang bringen eine Abteilung Vasallen und Stadtwehrmannschaften die Gefangenen zum Oberamtmann Veit von Schönburg nach Zwickau.

Am Mittwoch, den 9. Juli 1455 geleiten der Abt und bewaffnete Klosterknechte den Fürstensohn nach Altenburg. Turvbell der Köhler - später als Georg Schmidt berühmt geworden - und alle anderen "Prinzenbefreier" begleiten sie eine Strecke.

Die historische Gaststätte "Köhlerhütte"

Zum Andenken an den späteren Herzog Albrecht (Albert) von Sachsen wird 1822 auf Betreiben vieler Patrioten an der Quelle, wo einst Prinz Albrecht nach langem Ritt seinen Durst gestillt haben soll (den Fürstenbrunnen am Fürstenberg), ein Obelisk errichtet.

Um ihn zu schützen und zu bewahren, erbaute man 1838/1839 daneben ein Blockhaus in Form einer Köhlerhütte und gewährt dem Wächter als Wirt die Schankkonzession.

Auch der Fürstenberg (vormals Schmiedewald) soll seinen Namen kurz nach der Befreiung des Prinzen Albrecht aus der Hand des Ritters Kunz von Kauffungen erhalten haben.

1934 wird mit Unterstützung des EZV Schwarzenberg die Inneneinrichtung der Köhlerhütte unter dem historischen Aspekt des "Prinzenraubes" neu gestaltet.

Die Gaststätte "Köhlerhütte" heute

Die zweite Gruppe mit den Männern um die Ritter Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfeld werden am 8. Juli von Schönburgischen Mannen und bewaffneten Bürgern so hart bedrängt, dass sie sich entschließen in zwei Trupps weiterzureiten, um so die Verfolger abzulenken.

Der eine Trupp wird in Handgemenge verwickelt und es werden ihm dabei sechs Männer und die meisten Pferde abgejagt, worauf die Übrigen ihr Heil in der Flucht suchen.

Der andere Trupp mit den Rittern von Mosen und von Schönfeld mit Prinz Ernst und zwei Knechten flüchten in den Hartensteiner Forst.

Gegen Abend des 8. Juli erreichen sie die Zwickauer Mulde nahe der Burg Stein. Der Ritter von Mosen kennt einen alten Eisenstollen, das verrufene und gefürchtete Teufelsloch.

Die Prinzenhöhle bei Hartenstein

Es bietet Sicherheit und lässt sich gut verteidigen. Diese Höhle wird 1779 wiederentdeckt. Vom 8. bis 10. Juli 1455 wird hier Prinz Ernst festgehalten. Immer wieder erkunden die Ritter die Umgebung, doch ständig sind Suchtrupps unterwegs. Als sie erlauschen, dass Prinz Albert befreit worden sei und der Ritter Kunz im verließ sitze, schwindet bei ihnen alle Hoffnung auf Fortsetzung der Flucht. Sie beschließen an den Oberamtmann Veit von Schönburg, der auf Schloss Hartenstein sitzt, ein Ultimatum zu schicken. Für freies Geleit wollen sie den Kronprinzen ausliefern, andernfalls wollen sie das Kind töten und ihr Leben solange als möglich verteidigen. Da der Amtmann in Zwickau weilt, öffnet sein Bruder Friedrich von Schönburg das Schreiben. Er kennt die Ritter und ist überzeugt, dass sie die angedrohte Mordtat auch begehen würden. Deshalb fasst er sofort das verlangte Begnadigungsschreiben ab.

Noch am 11. Juli übergeben von Mosen und von Schönfeld auf dem Hartensteiner Schloss, den entführten Prinzen Ernst an Friedrich von Schönburg. Noch am gleichen Tag bringt man Prinz Ernst zu seinen Eltern, die bereits in Chemnitz weilen. Am 12. Juli reiten die beiden Ritter mit ihren Knechten unbehelligt nach Böhmen.

Kunz von Kauffungen sitzt am 12. Juli bereits in Freiberg ein. Seine Mitverschworenen haben ihr Faustpfand - den Prinzen Ernst - nicht genutzt, um etwas für seine Befreiung zu unternehmen.

Enthauptung des Ritter Kunz v. Kauffungen

Das Freiberger Stadtgericht spricht bereits nach nur zweitägiger Haft das Todesurteil. Die Stadt Freiberg hat bereits seit 1294 das Recht über Majestätsverbrechen zu richten. Kunz hat sich gegen die Familie des Kurfürsten vergangen. Auch die Fehde richtet sich gegen die Familie des Kurfürsten. Die Fehde hat er nicht rechtzeitig drei Tage vor der Entführung beim Kurfürsten angesagt. Auch seine Berufung als freier Ritter abgeurteilt zu werden, ändert das Urteil des Stadtgerichtes nicht. Ebenso sein Hinweis, dass er das der Prinzen geschont habe, bringt ihm keine Gnade.

Am Montag, dem 14. Juli 1455 nachmittags 4.00 Uhr wird Kunz von Kauffungen, der trotz dieser Tat einer der tapfersten Ritter seiner Zeit war, auf dem Marktplatz zu Freiberg öffentlich enthauptet. Die 11 Freiberger Ratsherren und der Bürgermeister, die gleichzeitig die Geschworenen sind, haben damit der Anklage des Kanzlers des Kurfürsten auf Landfriedensbruch im schweren Falle entsprochen. Auch viele seine Gefährten werden später durch die Truppen des Kurfürsten gefangengenommen und hingerichtet. Alle Männer der Familie Kauffungen - ob schuldig oder unschuldig - werden gezwungen ihren Besitz zu veräußern und für immer Kursachsen zu verlassen.

 
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ec.europa.eu/agriculture/rurdev/index_de.htm

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